Moderne bürgerliche Politik im urbanen Raum zur Rückeroberung der Städte

Diskussionsveranstaltung der ÖVP Städteplattform „Volkspartei. Stadtpartei – Wie urban kann bürgerlich sein?“ im Technischen Museum Wien

Im Rahmen des Ideenkongresses der ÖVP Städteplattform am Donnerstag diskutierte am Abend im Technischen Museum Wien ein hochkarätiges Podium zum Thema „Volkspartei. Stadtpartei – Wie urban kann bürgerlich sein?“ mit Dr. Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin des Technischen Museums Wien, Prof. Mag. Peter Zellmann, Leiter des Instituts für Freizeitforschung und Autor, Dr. Max Schnödl, COO Accela und Aufsichtsratsmitglied der Bundesrechenzentrum GmbH – zugeschaltet aus New York – sowie dem Präsidenten der Städteplattform Stadtrat Gernot Blümel. „Unser Ziel ist eine moderne bürgerliche Politik im urbanen Raum und damit eine Rückeroberung der Städte. Denn wo, wenn nicht im urbanen Raum spielt sich die Zukunft ab“, so Blümel bei der Begrüßung. Dabei verwies er auf verschiedene Erfolgsmodelle wie etwa in Graz oder in Waidhofen an der Ybbs, in denen die ÖVP als Stadtpartei reüssieren und dazugewinnen konnte. „Schließlich stehen die Konservativen an der Spitze des Fortschrittes“, so Blümel dazu, der darauf hinweist, dass gerade in Wien „Freiheit“ etwas sei, was man neu lernen müsse. „Stadtluft muss wieder frei machen, was leider in Wien mit seiner Überregulierung und Bürokratie nicht wirklich der Fall ist“, so Blümel. „Die Stadt soll sich um Sicherheit und Ordnung kümmern, der Rest muss dem einzelnen überlassen werden.“

Der Leiter des Instituts für Freizeitforschung und Autor Prof. Mag. Peter Zellmann nannte als grundlegenden Veränderungen in der Gesellschaft die Feminisierung, die Ökologisierung sowie die Emotionalisierung. Dazu sei in den vergangenen zehn Jahren auch die Digitalisierung dazugekommen. „Gerade die Digitalisierung ist unumkehrbar und damit eine wichtige Bildungsaufgabe, die schon in den Volksschulen nicht als Unterrichtseinheit, sondern als Unterrichtsprinzip eingesetzt werden muss“, so Zellmann. Es werde immer wesentlicher, in der Flut von Informationen Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden zu können. „Must have und nice to have sind zwei grundlegend verschiedene Dinge, die es immer mehr zu unterscheiden gilt“, so Zellmann. Das wurde auch von der Direktorin des Technischen Museums Gabriele Zuna-Kratky unterstrichen: „Bildung sollte eigentlich pränatal anfangen. Schließlich ist 64 Prozent der Berufswahl von Kindern durch die Eltern beeinflusst.“

Zellmann warnte aber auch vor der „digitalen Spaltung“ in der Gesellschaft, auch wenn sich diese Schere immer mehr schließe. Hier dürfe man auch die „ältere Generation“ nicht unterschätzen. Schließlich seien ältere Menschen heute leistungsfähig, gebildet und hoch informiert. „Es ist eine leistungsfähige vierte Generation entstanden, die in den Bildungsprozess sowie in den Arbeitsprozess eingegliedert werden muss“, so Zellmann. Zuna-Kratky warnte aber auch davor, jene nicht zu verlieren, die noch nicht in den Prozess der Digitalisierung eingegliedert sind. Gerade bei Führungsbuchungen komme es immer wieder vor, dass Menschen vor den Herausforderungen der Digitalisierung kapitulieren müssen. Dabei seien die digitalen Entwicklungen schon sehr weit gediehen, wie auch einzelne Beispiele aus der Ausstellung „Die Stadt der Zukunft“ im Technischen Museum zeige.

„Wie schaffen wir es, die Zukunft zu uns zu holen“, nannte der aus New York zugeschaltete Dr. Max Schnödl, COO Accela und Aufsichtsratsmitglied der Bundesrechenzentrum GmbH, als zentrale Kernfrage. Österreich mache gerade im Bereich der Akquirierung von Jungunternehmern sehr viel. Allerdings gebe es vor allem zwei Dinge, die das Silicon Valley zum „globalen Mekka“ in diesem Bereich mache: Effektive Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sowie effektive Treffsicherheit beim Kapitaleinsatz, so Schnödl. Gerade für die öffentliche Hand sei es eine wesentliche Frage, wie man Dienstleistungen noch effektiver einsetzen könne. Sehr fortschrittlich sei man in den USA auch mit Online-Partizipationsforen, in denen über den Einsatz von lokalen Überschüssen abgestimmt werden könne. Dieses Problem gebe es jedenfalls in Wien nicht, so Blümel. Hier könne lediglich darüber abgestimmt werden, wer die Milliarden an Schulden bezahlen solle.

Generell hielt der Präsident der Städteplattform Gernot Blümel fest, dass in Zeiten der Digitalisierung sowie der „alternativen Fakten“ ein fundiertes Basiswissen eine wesentliche Grundvoraussetzung sei. „Wir ertrinken in Informationen und dürsten nach Wissen“, so Blümel. So sei es etwa auch nicht nachvollziehbar, dass auf der einen Seite über Digitalisierung und ihre Auswirkungen gerade im Handel geschimpft werde, man aber auf der anderen Seite den tatsächlichen Geschäftsleuten vorschreibt, wann sie ihre Geschäfte aufsperren dürfen und wann nicht. „Jeder soll aufsperren dürfen, wann er will, sofern er jemanden dafür findet und den auch entsprechend bezahlen kann“, so Blümel. Ähnlich sei es beim Thema Eigentum. „Wenn Eigentum in der haptischen Realität ein hohes Gut ist, dann muss es auch in der digitalen Welt geschützt werden“, so Blümel. Dazu brauche es ideologische Grundlagen, die es anzubieten gelte. Auch beim Thema Wohnen im urbanen Raum brauche es innovative Konzepte und neue Wege, wenn etwa aus alten Studentenheimen neue Wohnheime für die ältere Generation entstehen. Klar sei jedenfalls, dass es im Digitalen keinen Unterschied zwischen Stadt und Land gebe, was etwa auch ein großer Vorteil für die ÖVP Städteplattform sei. Auch hier könne man sich Dank der Digitalisierung immer besser vernetzen und Erfolgsmodelle einfach austauschen.